Die Sammlerin

Ich möchte mich Ihnen hier kurz vorstellen:

Ich bin 1953 geboren, gehöre also noch einer Generation an, die ohne diese heutige Technik, ohne Mac Donalds, ohne Ikea und ohne Aldi groß geworden ist. Und ich denke mit Wehmut und mit Dankbarkeit an meine Kindheit und Jugend zurück: Wehmut, weil heute alles anders ist, alles stressiger, alles schnellebiger und  keiner mehr für den anderen da ist
bzw. Zeit hat. Dankbarkeit dafür, daß ich einer Generation angehöre, die eben diese vorbeschriebenen Mankos in positiver Form erleben durfte, das, was heute vielfach als “heile Welt” bezeichnet wird - aber wahrscheinlich werden unsere Enkelkinder auch ihre Kindheit als eine solche ansehen und wir werden sagen, bloß gut, daß wir in dieser Zeit nicht groß werden mußten!........

Ich bin auf dem “flachen Lande” groß geworden, d. h. mein Leben spielte sich in erster Linie auf der Straße ab. Bitte nicht mißverstehen! Aber in den späten 50er und 60er Jahren gab es weder Computer noch Fernseher, noch all das, womit sich Kids heute beschäftigen. Mein Leben spielte sich im Sommer wie im Winter draußen ab. Als Kleinkind nahm mich meine Mutter mit auf das Feld zum Kartoffelpflanzen, zum Rübenverziehen, zum Rübenharken, zum Heumachen, zur Getreideernte, zur Kartoffelernte. Dazwischen lebte ich in einem von “Oma Sohl” behüteten Haus, genoß die frische Milch  von der Kuh (Oma Sohl molk mir diese direkt in die Tasse), ich beobachtete von einem Versteck aus, wie ein Schwein geschlachtet wurde (nur ein einziges Mal, weil ja alles Verbotene ungemein reizt und ich hinterher total geschockt war), ich fiel beim morgendlichen Pipi-Machen (wo war Mutti?) rücklings in die Miste (Misthaufen), als Schulkind spielte ich auch fast nur “auf der Straße”. Wer hatte denn damals schon ein Kinderzimmer oder gar Spielzeug im Überfluß (meine Sachen paßten in einen kleinen Rama-Karton)? Und überhaupt bestand mein Leben eigentlich nur aus dem “Draußen”. Das hat für mich heute noch den
Vorteil, daß ich nicht krankheitsanfällig bin und ohne weiteres bei  Minustemperaturen bis 15 oder mehr Grad Minus  längere Zeit mich im Freien aufhalten kann - fahre ja auch seit vielen, vielen Jahren täglich mit der Deutschen Bahn......!!.

Ingrid und der Garten.

Wie kam  es dazu? Obwohl ich ja schon als Kind sozusagen auf dem Feld groß wurde, meine Eltern von Anfang an einen Pachtgarten für Gemüseanbau bewirtschafteten, später nach dem Hausbau einen großen Gemüsegarten  ihr Eigen nannten, war bei mir, als wir (meine Familie und ich) unser Haus bezogen, kein Interesse für Garten da. Meinem Mann erging es wohl ähnlich. Also wurde die gesamte Grundstücksfläche mit Rasen ausgesät - das haben natürlich meine Eltern übernommen, da wir ja absolut keinen Draht dazu hatten (wir wußten noch nicht einmal, wann und wie der Rasen auszusäen ist).  Während vieler Jahre hat auch mein Vater, bis er aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage war,  regelmäßig bei uns den Rasen gemäht; wir besaßen noch nicht einmal einen eigenen Rasenmäher!  Und das bei 800 qm Grundstücksgröße!!

Nach dem Hausbau und Bezug 1981 dauerte es noch ca. 5 Jahre, bis sich bei mir der Funke regte, d. h. die Liebe zum Garten bzw. zur Natur erkennbar machte: ich wälzte Pläne und Bücher, die bestehende Gehölzpflanzung zu ändern, den Garten umzugestalten, und, und, und. Das Fieber hatte mich gepackt.  In jedem Frühling, in jedem Herbst kam wieder etwas Neues hinzu, es wurde umgepflanzt, neu gepflanzt, ins Asyl verbannt (wenn etwas sich nicht so entwickelte, wie ich mir das vorstellte), immer und immer wieder die Farbkombinationen ausgetauscht (denn was nützt alle Literatur, wenn die Natur dann doch anders handelt?). Inzwischen sind mehr als 20 Jahre vergangen, aber geändert hat sich an dem alljährlichen Frühlings- und Herbstprocedere rein gar nichts: es wird nach wie vor hin- und hergepflanzt - allerdings nicht mehr ganz so heftig wie zu Anfang, da der Platz inzwischen ja auch ziemlich erschöpft ist und man selbst zwischenzeitlich 25 Jahre älter....

Ob die heutige Fassung die endgültige ist, möchte  ich bezweifeln..........aber das ist abhängig von der körperlichen Kraft und Verfassung mit zunehmendem Alter.

Hier finden Sie etwas, das zwar nichts mit Garten gemein hat, dafür aber mich viele Jahre fasziniert hat, mich beschäftigt hat, mich herausgefordert hat, d. h. irgendwie auch mit Sammeln zu tun hat.